18.04.: Leóns wildes Nachtleben

Pünktlich um 4 Uhr morgens kommt mein Bus in León an. Da ich für heute zum eingewöhnen ja nur eine kurze Distanz eingeplant habe, hatte ich mir vorgenommen, bis zum späten Vormittag die Stadt anzuschauen und dann so gegen 10 Uhr aufzubrechen.
Also erst einmal in Richtung Plaza Major und Kathedrale marschiert. Doch statt einem ausgiebigen Frühstück gab es lediglich unzählige angetrunkene Jugendliche, die ihren Heimweg aus dem Partyviertel lautstark und ausgelassen feierten. Sämtliche Cafés hatten geschlossen und beim Warten auf einer Bank vor der Basilica wurde es kühl und ich müde. Außerdem kam mir das Hörbuch von Kerkeling in den Sinn, der sich bei einer Hotelübernachtung am Plaza Major bereits schießwütigen Irren ausgesetzt sah.
Ganz so dramatisch würde ich es nicht beschreiben, aber dennoch habe ich mich dann kurzerhand entschlossen den morgendlichen Stadtrundgang in León ausfallen zu lassen und bin losmarschiert.

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Erster "Meilenstein"

Die ersten 2 Stunden laufe ich im Dunkeln durch die Stadt- und Randgebiete von León bis ich nach La Virgen del Camino komme, wo sich der Weg zweiteilt. Wieder denke ich an Kerkeling, der damals keine andere Wahl hatte und an der vielbefahrenen N-120 über 25 Kilometer zurücklegen musste. Ich entscheide ich natürlich für die Alternativroute.

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Bis 7:45 Uhr keine Pilgerseele zu sehen. Dann, gerade als ich in Fresno del Camino Trinkwasser zapfe, spricht mich ein Amerikaner von der anderen Straßenseite an:“Is this the right way?“
Ich antworte:“Yes, I think so“
Er geht noch 10 Meter weiter, schaut hektisch in seinen Reiseführer und dreht dann um. So schnöde sieht also meine erste Begegnung mit einem anderen Pilger aus…

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Weiter geht es über Chozas de Abacho, wo ich in einer Bar ein Bocadillo Jamas – ein riesiges Baguette mit rohem Schinken, sowie 2 Café con Leche verzehre.
Hier treffe ich auch 2 Frauen an, die ich kurz zuvor bei einer Rast überholt hatte und ich bekomme mein erstes „Buen Camino“ von den beiden.

Nach einer ausgedehnten Rast laufe ich weiter bis Villar de Mazarife, meinem eigentlich für heute geplanten Etappenziel.
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Doch es sind erst 12 Uhr – und so früh in eine Herberge?
Ich entscheide mich dafür, noch einen Ort dran zu hängen, was sich als ungünstig erweisen sollte.
Der Weg nach Villavante ist von einer monotonen Eintönigkeit geradezu geprägt.
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Eine Landstraße, über 5 Km schnurstracks geradeaus, dazu ab und an ein spanischer Wagen, der mit gefühlten 150 km/h ungebremst an einem vorbeischießt.

Meine Beine zeigen auch erste Ermüdungsanzeichen. Brennende Fußsohlen, erster Muskel macht zu. Die heutige Etappe war mit 35 km einfach zu lang. Ich hätte es wissen müssen. Als ich in Villavante „einchecke“ stehen die beiden Frauen wieder da und wollen weiter. Sie hatten in der Herberge eine Rast gemacht. Ein wenig muß dann schon gelacht werden, bei der dritten Begegnung am heutigen Tag.

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Jetzt erst mal eine Mütze Schlaf nachholen, denn das war bei der Busfahrt letzte Nacht kaum drin.

Heutiges Budget:
2 Café con Leche 2,60 €
Bocadillo Jamas 3,50 €
Tüte Nüsse 1,99 €
Salat 1,75 €
Übernachtung 8,50 €
Gesamt: 18,24 €

Weissheit des Tages: Gehe langsam, denn schnell kommst Du am Ende auch nicht weiter.

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3 Kommentare zu “18.04.: Leóns wildes Nachtleben

  1. Pingback: León – Villavante (~35 km am 18. April) | Mein Camino

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