22.04.: Aprilwetter und der schnelle Portugiese

Molinaseca – Pierzo (bei Cacabelos) ~26 km

Nachdem die Überquerung des Monte Irago gestern gemeistert wurde versprach die heutige Etappe mal wieder etwas gemächlicher zu werden. Und das war auch gut so. Den Beinen hat die Kletterei gestern ganz schön zugesetzt.
Muskelkater war mir heute morgen kein Fremdwort.
Dafür war ich mal wieder als erster wach. Um kurz nach sechs fing ich in dem voll belegten 8-Personen-Zimmer an, meinen Rucksack zu packen. Um 8 Uhr startete ich dann in Richtung Ponferrada.  Mein erstes Frühstück auf dem Weg bestand aus einer Nussmischung,  die ich vor 2 Tagen in einer Bar gekauft hatte.
Ein paar kleine Regenschauer später erreichte ich gegen 10 Uhr die Stadt mit der Templerburg im Stadtzentrum.
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Wie in vielen anderen großen Städten ist auch in Ponferrada der Camino eher mäßig ausgeschildert, so kam es wie es kommen mußte und nach ein paar Abzweigungen und einer Runde um die Burg hatte ich den Camino aus den Augen verloren. Mein kopierter Reiseführer verhalf mir jedoch schnell dabei, wieder auf den richtigen Weg zurück zu finden.
Nachdem ich einen Café con Leche getrunken hatte wollte ich schnell aus Ponferrada verschwinden, denn irgendwie nervte mich diese Stadt ein wenig.

Auf dem Weg Richtung Stadtrand fing es dann erneut an zu Regnen, so streifte ich meinen Poncho über und hatte zum ersten mal eine richtige Regentour vor mir.

In Don Blas angekommen fand ich eine Bar und gönnte mir noch einen Café sowie eine Tortilla als zweites Frühstück.
Da man bei solchen Pausen dann meistens die Schuhe und Socken auszieht um dieselben sowie die Füße zu lüften fiel es mir sofort auf: JUCHUUU! Die erste Blase an Tag Nummer 5.
Rund 100 km blasenfrei – irgendwann mußte es ja soweit sein.

Nachdem ich das Frühstück verzehrt und die Blase versorgt hatte ging es weiter. Im nächsten Ort traf ich 2 Weggefährten vom ersten Tag wieder, mit denen ich die Tour gemeinsam fortsetzte. Etwa 5 Kilometer vor Cacabelos zog sich der Himmel zu. Am Wegesrand war eine Bodega, ein Weingut, die Pilgern für 1,50 € eine Weinprobe mit Pastete anbieten. Da wir außerdem auf Toilette mußten nutzen wir die Gelegenheit für einen Stop und wollten somit auch die dunklen Regenwolken überbrücken.

Nach einer halben Stunde verließen wir die Örtlichkeit, der Himmel war jedoch unverändert dunkel. Als wir weiterzogen fing es an zu Donnern und der Regen wurde stärker. Mit den Ponchos weit über den Kopf gezogen liefen wir – das Gewitter kam immer näher.

Plötzlich hörten wir einen Pfiff. Ich schaute mich um. Linkerhand stand ein Mann mit rotem Poncho unter dem Vordach eines Industriegebäudes, das wir wegen der Ponchos nicht wahrgenommen hatten. Er wedelte mit seinem Stab und winkte uns zu sich herüber.
Der Regen entwickelte sich zum Wolkenbruch.
Der Mann sprach Spanisch, heißt José und mit Hilfe von Zeichen- und Körpersprache erzählten wir uns gegenseitig.
Seinen letzten Jakobsweg ab St.Jean-Pied-de-Port in 2014 hat er in 22 Tagen absolviert. Dieses Jahr will er es in 21 Tagen schaffen. Das wären dann im Schnitt rund 50 km pro Tag. Wahnsinn!

Als der Starkregen und das Gewitter nachlässt schaut er ums Eck, hebt den Finger und ruft uns ein:“Esta bien! Ultreia!“ zu, lacht und geht weiter. Er läuft so schnell, das wir ihn nach 5 Minuten nicht mehr sehen. Was war denn das? Er hat uns vor dem Gewitter gerettet! Wahrscheinlich sehen wir ihn bei seinem Tempo nicht mehr wieder.

Als wir in Cacabelos ankommen werden wir enttäuscht. Die Herberge an der Kirche macht erst im Mai auf, so müssen wir noch 2 km weiter laufen. Die Entscheidung ist jedoch gut. Wir übernachten in einer sehr angenehmen privaten Herberge in Pierzo. Die Hospitalera Lu kommt aus England und ist sehr nett. Beim gemeinsamen Abendessen mit den anderen Pilgern lassen wir den Tag ausklingen.

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Zur Überraschung ist José auch da – er fasziniert die Runde mit seinen Leistungen und will am nächsten Tag weitere 50 km zurücklegen.

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Ein Kommentar zu “22.04.: Aprilwetter und der schnelle Portugiese

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