23. bis 24.04: Camino duro und der OCebreiro-Pass

23.04.: Pierzo – Ruitelán ~27 km
24.04.: Ruitelán – Alto de Poyo ~25 km

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23. April: Der Abend in der Privatherberge bei Lu war sehr angenehm und familiär. Außerdem habe ich mal so richtig gut geschlafen. Am Morgen geht es um 8 Uhr los. Hauptthema des heutigen Tages ist die Absolvierung des „Camimo Duro“, des harten Weges, der sich ab Villafranca del Bierzo bis nach Trabadelo zieht und einen fantastischen Ausblick bietet. Trotz der unattraktiven Route über die Landstraße, die sich durch das Tal schlängelt und für 9 km von der lauten und vielbefahrenen Schnellstraße gesäumt wird nehmen die meisten die Strapazen des Aufstiegs nicht in Kauf. Die Entscheidung muß man bereits in Villafranca treffen, denn direkt hinter der Flußbrücke teilt sich der Weg. Eine Spanierin, die ihre Wohnung direkt über der Weggabelung hat gestikuliert wild umher und will mir in rasendem Spanisch erklären, daß dies der Duro sei, 1 km länger wie der Weg durchs Tal und außerdem extrem steil.
Ich nicke ihr zu und gebe mit einem „Si, vamos el Camino Duro“ zu erkennen, daß ich da wirklich hoch will.
Es geht die ersten 20 Minuten extrem steil bergan, für die Strapazen wird man jedoch mit einem einzigartigen Ausblick und wunderbarer Natur belohnt. Ich würde den Duro wieder gehen!

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Gegen 14 Uhr treffe ich in Trabadelo ein, trinke zur Erfrischung ein Bier und ziehe danach durchs Tal weiter zum heutigen Etappenziel Ruitelán, wo ich in einer Herberge übernachte, die von 2 Buddhisten geführt wird. An diesem Tag sind viele deutschsprachige Pilger da, so wird sich sehr gesellig unterhalten.  Beim gemeinsamen Abendessen gibt es Möhrensuppe, Salat, Spaghetti Carbonara und Pudding.

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24. April: Ruitelán -Alto de Poyo
Bei den Buddhisten wird man morgens um 7 Uhr mit „Ave Maria“ geweckt, was einerseits für leises Gekicher, andererseits für einen ruhigen Morgen sorgte, da laut Anweisung von Carloś, dem Hospitalero, niemand vorher aufstehen soll (um morgendliche Unruhe zu vermeiden). Nach dem Frühstück geht’s los. Der Aufstieg zum Ocebreiro-Pass steht jedem Pilger bevor, eine flache Variante gibt es hier nicht. Man kann lediglich etwas schummeln und sich ein Pferd mieten, das einen den Berg hochträgt.

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Nach dem Aufstieg und etlichen Verschnaufpausen erreiche ich zunächst die Landesgrenze zu Galicien, welches am Wegearand mit einem großen Grenzstein angekündigt wird. Etwa 10 Minuten später das historische OCebreiro. In der historischen Kirche „Santa Maria a Real Do Cebreiro“ verweile ich eine gute halbe Stunde und entzünde 2 Kerzen.

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Nach einer Stärkung in einer Bar geht es am Mittag weiter. Mittlerweile hat Dauerregen eingesetzt und der Poncho ist Pflicht. Das Laufen wird auf den teils sehr matschigen Pfaden immer anstrengender.
So ändere ich meinen Plan und will bereits in Alto de Poyo übernachten. Der Wanderführer spricht jedoch nur von einer Notunterkunft und zwei deutschsprachige Pilgerinnen, die gerade aus der Albergue heraus kommen raten von einer Übernachtung dort dringend ab. Gegenüber ist noch ein heruntergekommenes Hotel, das ebenfalls Schlafplätze anbietet. Da ich auf keinen Fall mehr weiterlaufen möchte bleibt mir nichts anderes übrig.

Die 8 Schlafplätze der Unterkunft sind in einer Art Abstellkammer eingerichtet. Im ganzen Haus wird renoviert, gebohrt und gearbeitet. Das Abendessen wird jedoch die reinste Slapstik-Veranstaltung.
Um etwa viertel vor 7 finde ich mich in der Bar des Hauses ein. „Jos“, ein Holländer sitzt am Kamin und wärmt seine Finger.
Ein nach Landwirt ausschauender Mann haut in einer Küche, deren Abstelltische und Regale nur so überquillen vor Utensilien einige Schnitzel platt. Um Punkt 7 werden wir von ihm in einen Nebenraum geführt, in dem einige Plätze gedeckt sind. Jos scheint eine Vorliebe für schwarzen Humor
zu haben. Er beginnt aufgrund der skurrilen Situation bereits makabere Scherze zu machen. Es ist eiskalt in dem Raum. Der Wirt, der gleichzeitig Koch, Handwerker, Hausmeister und -nach seinen Stiefeln und Hosenbeinen zu Urteilen – auch Stalljunge zu sein scheint fummelt zunächst 10 Minuten an einem Heizkörper herum bis dieser läuft. Dann bekommen wir so kalten Vino Tinto serviert, das wir die volle Flasche 20 Minuten vor den glühenden Kamin stellen müssen, um überhaupt ein wenig Geschmack daran zu finden.
Der Koch, der zwischendurch einem Gast aus dem Dorf noch ein Bierchen zapft und Schnaps einschenkt serviert der Runde, die aus insgesamt 7 unerschrockenen Pilgern besteht, dann eine undefinierbare Suppe als Vorspeise, die von fast allen nur heruntergewürgt werden kann.
Jos, der mittlerweile den Job des Kellners übernommen hat legt sich beim nachschenken des lauwarmen Vino Tinto jedesmal eine Papierserviette über das Handgelenk, weil sich das so gehört.
Der kochende Stallbursche fragt uns anschließend, wer Fisch und wer Fleisch möchte.
Ich bestelle Fleisch, bekomme dennoch Fisch serviert, bin aber beim Anblick des plattgeschlagenen Koteletts in einer Spiegelei-Pommes-Mischung mit meinem panierten Schwimmer ganz zufrieden. Jos wird mit seinen Gags immer besser und er merkt an, das er schon viel herumgekommen sei, so etwas aber bisher in seinem Leben noch nicht erlebt habe.
Nachdem alle das Essen heruntergewürgt haben und die halbe Runde damit kämpfen muss, ihren Lachkrampf in den Griff zu bekommen, bereitet der Mann für alle Fälle – so haben wir ihn mittlerweile getauft – uns noch eine Nachspeise zu, die definitiv in dem kompletten Menü am besten abgeschnitten hat.
Eine tiefgekühlte „Torta de Santiago“, übergossen mit reichlich Malaga-Likör.

Na dann, Bon Appetit und gute Nacht!

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3 Kommentare zu “23. bis 24.04: Camino duro und der OCebreiro-Pass

  1. Pingback: Pierzo – Ruitelán (~27 km am 23.04.) | Mein Camino

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