Rabanal del Camino – Molinaseca Teil 2 (~27 km am 21.04.)

Die Tagestour ist noch nicht vorbei.

Die Tagestour ist noch nicht vorbei.

Nach dem Cruz Ferro beginnt der Abstieg vom Monte Irago.

Nach dem Cruz Ferro beginnt der Abstieg vom Monte Irago.

Mit wunderbaren Ausblicken in Richtung Ponferrada, welches ich jedoch erst am nächsten Tag passiere.

Mit wunderbaren Ausblicken in Richtung Ponferrada, welches ich jedoch erst am nächsten Tag passiere.

"Chi", ein Koreaner, macht unterwegs ein Erinnerungsfoto von mir.

„Chi“, ein Koreaner, macht unterwegs ein Erinnerungsfoto von mir.

Der Aufstieg ist zwar vorbei, die Wege werden jedoch zunehmend steiniger und schwerer zu laufen.

Der Aufstieg ist zwar vorbei, die Wege werden jedoch zunehmend steiniger und schwerer zu laufen.

Auf dem Weg bergab komme ich durch das...

Auf dem Weg bergab komme ich durch das…

malerische kastilische Bergdorf "El Acebo"

malerische kastilische Bergdorf „El Acebo“

Auch hier eine wundervolle Vermischung aus verlassen...

Auch hier eine wundervolle Vermischung aus verlassen…

und belebt.

und belebt.

Zur Siesta ist in den Strassen des Ortes kein Einwohner zu sehen.

Zur Siesta ist in den Strassen des Ortes kein Einwohner zu sehen.

Es geht weiter über zunehmend schwierigere, felsige Pfade.

Es geht weiter über zunehmend schwierigere, felsige Pfade.

Bis das kleine Dörfchen "Riego de Ambros" erreicht ist.

Bis das kleine Dörfchen „Riego de Ambros“ erreicht ist.

Auch hier zeigt sich das kastilische Flair der Bergdörfer.

Auch hier zeigt sich das kastilische Flair der Bergdörfer.

Doch es gibt nicht nur alt...

Doch es gibt nicht nur alt…

auch neue, moderne Häuser sind hier zu finden.

auch neue, moderne Häuser sind hier zu finden.

Auf den letzten 5 Kilometern nach "Molinaseca" führt der Weg...

Auf den letzten 5 Kilometern nach „Molinaseca“ führt der Weg durch das wundervolle „Nachtigallental“,

allerdings auch über sehr schwierige Passagen mit Geröll und steilen Abschnitten.

allerdings auch über sehr schwierige Passagen mit Geröll und steilen Abschnitten.

Völlig abgekämpft und erschöpft erreiche ich gegen 17 Uhr...

Völlig abgekämpft und erschöpft erreiche ich gegen 17 Uhr…

mein heutiges Etappenziel "Molinaseca".

mein heutiges Etappenziel „Molinaseca“.

Diese Fotostrecke ist Teil des Beitrags(K)ein Spaziergang über den Monte Irago vom 21.04. und zeigt Fotos des Streckenabschnitts von „Manjarin“ bis „Molinaseca“

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León – Villavante (~35 km am 18. April)

Basilica de San Isidoro in León, morgens um 5 Uhr

Basilica de San Isidoro in León, morgens um 5 Uhr

Parador Nacional Hostal de San Marcos

Parador Nacional Hostal de San Marcos

"Camino" Hinweistafel in León

„Camino“ Hinweistafel in León

Virgen del Camino

Virgen del Camino

Die Großstadt liegt hinter mir. Ab "La Virgen del Camino" wird es ländlicher

Die Großstadt liegt hinter mir. Ab „La Virgen del Camino“ wird es ländlicher

So mancher Schuh übersteht den Camino nicht

So mancher Schuh übersteht den Camino nicht

Auf dem Feldweg Richtung "Chozas de Abajo"

Auf dem Feldweg Richtung „Chozas de Abajo“

Das Schild in "Chozas de Abajo" läßt keine Zweifel. Hier befindet man sich auf dem Camino.

Das Schild in „Chozas de Abajo“ läßt keine Zweifel. Hier befindet man sich auf dem Camino.

Kunstvolle Mosaiktafel am Ortseingang von "Villar de Mazarife"

Kunstvolle Mosaiktafel am Ortseingang von „Villar de Mazarife“

Die 5 km lange Landstrasse von "Villar de Mazarife" nach "Villavante"

Die 5 km lange Landstrasse von „Villar de Mazarife“ nach „Villavante“

Asphalt...

Asphalt…

 

Diese Fotostrecke ist Teil des Berichts vom 18.04.2015: Leóns wildes Nachtleben

30.04.: Mit Dic und Ibu unterwegs nach Lavacolla

A Feroza – Lavacolla ~26 km

Es ist halb Sieben als ich von der abseits vom Hauptweg gelegenen Herberge aufbreche. Es ist noch stockdunkel. Nach 300 Metern endet die Strassenbeleuchtung. Mit einer kleinen Minitaschenlampe leuchte ich den Feldweg aus. Es sind rund 600 Meter bis ich auf den Pfad treffe, der mit dem gelben Wegweiser markiert ist. Da er in einen dichten Wald führt beschließe ich etwas zu warten, bis der Morgen dämmert. Es sind 6:45 Uhr. Die Dämmerung müßte um 7 beginnen. Um mir die Wartezeit zu verkürzen schalte ich den Music-Player auf meinem Handy an. „Jan Josef Liefers“ – passt jetzt irgendwie.
Punkt 7 laufe ich dann los. Die Musik lasse ich an. Ich begegne sowieso erst mal niemand. Die letzte Herberge in Arzua liegt 90 min. zurück. Bis zur nächsten Herberge in Salcada sind es noch etwa 7 km.

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Es geht durch lauter kleine Weiler. Ein Bauer ist wach und kümmert sich ums Vieh. Der Rest schläft noch.
Um 8.30 Uhr erreiche ich die erste offene Bar in Salcada in der ich das klassische spanische Frühstück zu mir nehme. Café con Leche mit stark geröstetem Toast und Marmelade.

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Mein rechtes Bein ist ruhig. Dic und Ibu leisten gute Arbeit. Bei einem Dopingtest würde ich wahrscheinlich sang- und klanglos durchfallen, aber das ist jetzt egal.
Nach der Pause ziehe ich weiter und laufe bis Capilla de Santa Irene, wo ich mir den nächsten Café gönne. Durch meinen unüblichen Startpunkt treffe ich nur wenige Peregrinos unterwegs an. Alles unbekannte Gesichter. Die Weggefährten von letzter Woche haben mich gestern und vorgestern bestimmt überholt und sind längst in Santiago angekommen.

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Mit so viel Gelassenheit spulen sich die Kilometer fast wie von alleine ab. Kurz vor O Pedrouzo komme ich an einer netten Bar vorbei. Zeit für eine Stärkung.

An dieser Stelle sei einmal die hervorragende Gastfreundlichkeit gelobt. Nahezu überall erhält man zu seinem bestellten Bier einen kleinen Snack gratis. Oliven, etwas Schinken oder wie hier etwas Weißbrot mit spanischer Salami.

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Die Kilometersteine täuschen ein wenig. Mittlerweile wurde die Strecke etwas verändert aber die uralten Steine natürlich nicht umplatziert. Zu den Angaben muß man jeweils noch ca. 6 km dazu rechnen. Doch jetzt bin ich mir wieder sicher auch die letzten Kilometer zu schaffen. Mittlerweile hat sich das Wetter auch wieder verschlechtert. Nieselregen. Poncho an! Aber das ist jetzt alles egal!
Weiter geht’s auf dem Weg über O Pedrouzo in Richtung Flughafen Santiago. Dort ist ein nettes Café das scheinbar leckeres Mittagessen anbietet. Da ich Hunger habe gehe ich rein und…….

Ken und Christin – ich treffe Pilgerbekanntschaften wieder. Mit Ken hatte ich das letzte mal in Ruitelán Kontakt. Er hatte auch bei den Buddhisten übernachtet. Christin habe ich zuletzt in Sarria vor 5 Tagen gesehen. Sie mußte zwischendurch einen Pausentag einlegen da es ihr nicht gut ging. Super! Es sind also doch noch Leute unterwegs die ich kenne.
Wir verständigen uns darauf heute in einer Unterkunft in Lavacolla zu übernachten und dann morgen früh gemeinsam die letzten 10,2 Kilometer zur Kathedrale zurück zu legen.

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Sollten nun noch Fragen zur Überschrift bestehen, hier die Auflösung:

Dic = Diclofenac
Ibu = Ibuprofen

29.04.: Schweres Los beim Endspurt

Boente – (Nähe) A Feroza ~12,5 km

12 Tage ohne Unterbrechung unterwegs. Streikt jetzt der Körper? Ich mußte heute schon nach 12 km aufgeben. Das Ziel scheint so nah und doch so fern. Bis nach Santiago sind es jetzt noch rund 37 km. Am Freitag Abend geht mein Bus zurück nach Madrid. Zum ersten mal dachte ich heute daran auf den letzten Metern die Segel streichen zu müssen.
Mein Knie machte heute ernsthafte Probleme.
Sicherheitshalber habe ich dann abgebrochen und behandle seit heute Mittag mit Diclofenac-Salbe, die ich unterwegs geschenkt bekommen habe.

Unterwegs ging es heute durch Laub- und Eukalyptuswälder. Das Aroma der Eukalyptusbäume ist wirklich sehr intensiv.

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Am Nachmittag habe ich mir damit Mut gemacht den bisherigen Weg zurück zu verfolgen. Ich stehe so kurz vorm Ziel. Den Rest muß ich auch noch schaffen. Für morgen habe ich noch Ibuprofen Tabletten. Zur Not müssen die helfen.

Morgen starte ich wohl sehr früh, gegen 6 Uhr – um unterwegs reichlich Pausen einlegen zu können.
300 Kilometer liegen bereits hinter mir, in 12 Tagen. Die restlichen 37 schaffe ich auch noch!

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28.04.: Ein Tag wie kein Anderer

San Xulian Do Camino – Boente ~16 km

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Schon am Morgen wußte ich: Heute läßt du dirs gut gehen und läufst „nur“ 16 km. Nach 4 Tagen Dauerregen der erste Tag mit Sonnenschein und außerdem war das Aufsuchen einer Herberge mit funktionierender Waschmaschine und Wäschetrockner heute Pflicht.

Ausserdem wollte ich nach dem ständigen Genuss von Tortilla, Empanadas und Bocadillos mal wieder etwas kulinarische Abwechslung.
So kam es daß ich bereits gegen 11.30 Uhr in Melide, etwa 5 Kilometer vor meinem heutigen Etappenziel ankam. Wahnsinn, wie schnell das alles geht. Zu Hause habe ich bisher nicht mal daran gedacht 10 Kilometer zu Fuß zu laufen und jetzt spult man das in 2 1/2 Stunden ab.

Genüsslich lasse ich mir erstmal eine Pizza schmecken und setze um 13 Uhr meine Tour fort.

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Es ist etwa halb Drei als ich in der Albergue Boente ankomme, die direkt an der Hauptstraße liegt und sehr geräumig ist. Es sind bereits mehrere Pilger – bzw. Touristen (Definition siehe Bericht vom Vortag!) – da. Es ist irgendwie sehr seltsam. Hatte ich auf den ersten 230 Kilometern kaum Schwierigkeiten mit anderen ins Gespräch zu kommen, so sind die „Horden“ der Kurz-Pilger sehr verschlossen. Zudem kommt hinzu, daß viele Jammern oder dumme Bemerkungen ablassen, wenn ihnen irgendwas nicht passt. Was wollen die denn? Pauschalen Luxusurlaub gibt’s woanders!
Irgendwie will ich auch gar niemand neues mehr anquatschen. Wenn ich jemanden treffe den ich in der ersten Woche kennengelernt habe freut mich das sehr. Man quatscht, spricht sich ggfs. für eine bestimmte Herberge ab oder läuft einfach ein Stück zusammen. Ansonsten geniesse ich die Stille um mich herum und bin in Gedanken versunken.

Hier in Boente treffe ich auf ein paar Engländer die ganz lustig sind und mit denen man locker quatschen kann. Bereits letzte Woche ist mir die Gruppe über den Weg gelaufen und wir haben einen ganz netten Nachmittag.
Und das wichtigste ist: Die Klamotten sind wieder frisch.

Am Abend esse ich in der Bar noch einen frisch zubereiteten Hamburger.

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27.04.: Der Marathon nach San Xulian

Mercadoiro – San Xulian Do Camino ~36 km

Heute mußten Kilometer gemacht werden. Das war klar! Die „Uhr“ stand bei knapp 100 und spätestens am Donnerstag sollte Santiago erreicht sein. Beim Anblick des Wanderführers war klar, das es heute etwas mehr werden wird, denn in Portomarin wollte ich nicht übernachten. Ohne die Kilometerzahl im Vorfeld zu berechnen war klar: San Xulian Do Camino soll es sein!
Die Beschreibung der Herberge im Wanderführer hört sich gut an und das seichte Höhenprofil lässt die etwas größere Distanz auch zu.

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Die in dieser Region allerorts sehr urigen Dörfer lassen die Entfernungen recht kurzweilig erscheinen sodass die Zeit auch schnell vorbei geht. Nur der nach wie vor heftige Dauerregen nervt mittlerweile etwas. Dies soll jedoch am Mittag erledigt sein. Kurz vor Portomarin ist Schluß mit dem nassen Wetter und es sollte auch nicht wieder anfangen.

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Mit den guten Aussichten für die kommenden Tage lief es sich dann doppelt so gut, auch wenn sich der Rucksack auf dem Rücken mittlerweile ganz schön schwer anfühlte. Wahrscheinlich schleppte ich neben den 8,5 kg Gepäck auch noch 2-3 kg an Feuchtigkeit mit mir herum, denn durch den anhaltenden Regen war so ziemlich alles Klamm. Außerdem hatte ich seit 3 Tagen nicht gewaschen. Dies sollte heute nachgeholt werden. Doch bei der Ankunft in der urigen Herberge in San Xulian Do Camino gab mir der überaus liebenswert Hospitalero zu verstehen, das der Trockner kaputt sei, ich zwar waschen könne, die Klamotten aber bis zum nächsten Morgen nicht mehr trocken bekomme.
Also wieder nichts mit waschen.

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Als ich dann am Abend – so wie ich das jeden Tag mache – die gelaufenen Kilometer berechne staune ich nicht schlecht als ich sehe, das ich rund 36 Kilometer geschafft habe. Für den morgigen Tag ist definitiv weniger geplant, denn eine Waschmaschine ist Pflicht und vor der Ankunft in Santiago muss ich es nochmal etwas ruhiger angehen lassen.

26.04.: Die letzten 100 brechen an

Sarria – Mercadoiro ~19 km

Nach der erholsamen Nacht in Sarria sind die Kräfte wieder aufgetankt und es kann – natürlich erneut im Dauerregen – Richtung Portomarin gehen.

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Ab Sarria ändert sich das „Gesicht “ des Jakobswegs ein wenig. Der Grund: Hier beginnen die letzten 100 km. Es tritt geradezu eine Schwemme an 100-Kilometer-Pilgern auf – der Einfachheit halber nenne ich sie nur noch Touristen. Nur wer die letzten 100 km des Weges gelaufen ist, bekommt im Pilgerbüro der Kathedrale von Santiago seine persönliche Compostela ausgehändigt. Manche gehen vielleicht nur deswegen das letzte Stück des Weges und nicht aus anderen, persönlichen Gründen. Touristen eben! Sie sind optisch meist leicht auszumachen. Kleiner Rucksack – oft lassen sie sich ihr Gepäck sogar vom Taxi von A nach B fahren. Meist schnelleren Schrittes unterwegs als diejenigen, die schon mehrere 100 km gelaufen sind. Des weiteren ziehen viele eine Parfümwolke hinter sich her, während die Pilger im Idealfall geruchsneutral sind, häufig auch Gerüche hinterlassen, definitiv aber kein Parfümduft.

Zum Weg. Einmal mehr Regen. Sollte man nun denken ich wäre so langsam genervt vom ständigen Dauerregen, so muß ich sagen das dieser heute sogar zur Belustigung beigetragen hat. Die Wege und Pfade hinauf über Barbadelo, Peruscallo bis hin nach Ferreiros waren durch den Dauerregen extrem aufgeweicht, standen teilweise zentimeterhoch unter Wasser. Es war ein Genuß so manchem Touristen dabei zuzusehen, wie er oder sie in Turnschuhen – auf den Zehenspitzen versuchend keinen allzu großen optischen Schaden davon zu tragen – die matschigen Stellen überwinden wollten.

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Meine Erfahrung der letzten Tage sagte mir, dass dies eh keine Aussicht auf Erfolg hat. So lief ich meist quer hindurch. So lange die matschige Pampe nicht meine Knöchel erreichte und in die Schuhe floß hatte ich alles richtig gemacht.

Als der Anstieg zur Anhöhe überwunden war kam ich dann endlich da an, wo ich schon immer hin wollte 🙂
Zur Abwechslung schien sogar einmal für eine viertel Stunde die Sonne.

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Der Weg zog sich weiter durch kleine Ortschaften in denen – unverkennbar dem Geruch nach zu Urteilen – die Landwirtschaft dominiert.

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Das heutige Etappenziel liegt ziemlich genau an der 100 Kilometer-Marke zu Santiago de Compostela , was am Ortseingang mit dem Kilometerstein deutlich gemacht wird.
Die Herberge in dem Ort ist sehr angenehm. Besonders erwähnenswert ist das urige Café und Speisehaus – ein Bau aus dem 17. Jahrhundert in dem den dort übrnachtenden Pilgern am Abend sogar der Kamin entzündet wurde.

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25.04: Alto de Poyo – Samos – Sarria

Alto de Poyo – Sarria ~35 km

Das Abendmahl des Allroundtalents war verdaut und die Nacht in der Abstellkammer überstanden. So konnte es morgens gegen 8 Uhr weitergehen. Es wehte ein eisiger Wind und der Regen prasselte unaufhörlich von oben herab. Am gestrigen Nachmittag kam ich ein paar Kilometer zuvor an der bronzenen Statue auf dem Monte de Poyo vorbei. Irgendwie passte das zu der aktuellen Wetterlage.

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Insgesamt war der ganze Tag von Laufen, schlechtem Wetter und Fußschmerzen dominiert.

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Dem heutigen „Pilgergrüppchen“ angeschlossen entschieden wir uns dann sogar noch für die etwa 5 Km längere Route über Samos anstatt die kurze Variante über San Xil zu nehmen.

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Erst gegen 15.30 Uhr erreichen wir Samos – nach einer ausgedehnten Rast in einer Bar wird es Zeit nach Sarria zu eilen. Um noch annähernd eine Chance zu haben, das Ziel vor der Abenddämmerung zu erreichen entscheiden wir und, die unendlichen 11 Km Landstraße in Angriff zu nehmen.
Total erschöpft und durchnässt erreichen wir um 19.30 Uhr Sarria. Wir chrcken in der erstbesten Herberge am Stadtrand ein.

23. bis 24.04: Camino duro und der OCebreiro-Pass

23.04.: Pierzo – Ruitelán ~27 km
24.04.: Ruitelán – Alto de Poyo ~25 km

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23. April: Der Abend in der Privatherberge bei Lu war sehr angenehm und familiär. Außerdem habe ich mal so richtig gut geschlafen. Am Morgen geht es um 8 Uhr los. Hauptthema des heutigen Tages ist die Absolvierung des „Camimo Duro“, des harten Weges, der sich ab Villafranca del Bierzo bis nach Trabadelo zieht und einen fantastischen Ausblick bietet. Trotz der unattraktiven Route über die Landstraße, die sich durch das Tal schlängelt und für 9 km von der lauten und vielbefahrenen Schnellstraße gesäumt wird nehmen die meisten die Strapazen des Aufstiegs nicht in Kauf. Die Entscheidung muß man bereits in Villafranca treffen, denn direkt hinter der Flußbrücke teilt sich der Weg. Eine Spanierin, die ihre Wohnung direkt über der Weggabelung hat gestikuliert wild umher und will mir in rasendem Spanisch erklären, daß dies der Duro sei, 1 km länger wie der Weg durchs Tal und außerdem extrem steil.
Ich nicke ihr zu und gebe mit einem „Si, vamos el Camino Duro“ zu erkennen, daß ich da wirklich hoch will.
Es geht die ersten 20 Minuten extrem steil bergan, für die Strapazen wird man jedoch mit einem einzigartigen Ausblick und wunderbarer Natur belohnt. Ich würde den Duro wieder gehen!

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Gegen 14 Uhr treffe ich in Trabadelo ein, trinke zur Erfrischung ein Bier und ziehe danach durchs Tal weiter zum heutigen Etappenziel Ruitelán, wo ich in einer Herberge übernachte, die von 2 Buddhisten geführt wird. An diesem Tag sind viele deutschsprachige Pilger da, so wird sich sehr gesellig unterhalten.  Beim gemeinsamen Abendessen gibt es Möhrensuppe, Salat, Spaghetti Carbonara und Pudding.

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24. April: Ruitelán -Alto de Poyo
Bei den Buddhisten wird man morgens um 7 Uhr mit „Ave Maria“ geweckt, was einerseits für leises Gekicher, andererseits für einen ruhigen Morgen sorgte, da laut Anweisung von Carloś, dem Hospitalero, niemand vorher aufstehen soll (um morgendliche Unruhe zu vermeiden). Nach dem Frühstück geht’s los. Der Aufstieg zum Ocebreiro-Pass steht jedem Pilger bevor, eine flache Variante gibt es hier nicht. Man kann lediglich etwas schummeln und sich ein Pferd mieten, das einen den Berg hochträgt.

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Nach dem Aufstieg und etlichen Verschnaufpausen erreiche ich zunächst die Landesgrenze zu Galicien, welches am Wegearand mit einem großen Grenzstein angekündigt wird. Etwa 10 Minuten später das historische OCebreiro. In der historischen Kirche „Santa Maria a Real Do Cebreiro“ verweile ich eine gute halbe Stunde und entzünde 2 Kerzen.

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Nach einer Stärkung in einer Bar geht es am Mittag weiter. Mittlerweile hat Dauerregen eingesetzt und der Poncho ist Pflicht. Das Laufen wird auf den teils sehr matschigen Pfaden immer anstrengender.
So ändere ich meinen Plan und will bereits in Alto de Poyo übernachten. Der Wanderführer spricht jedoch nur von einer Notunterkunft und zwei deutschsprachige Pilgerinnen, die gerade aus der Albergue heraus kommen raten von einer Übernachtung dort dringend ab. Gegenüber ist noch ein heruntergekommenes Hotel, das ebenfalls Schlafplätze anbietet. Da ich auf keinen Fall mehr weiterlaufen möchte bleibt mir nichts anderes übrig.

Die 8 Schlafplätze der Unterkunft sind in einer Art Abstellkammer eingerichtet. Im ganzen Haus wird renoviert, gebohrt und gearbeitet. Das Abendessen wird jedoch die reinste Slapstik-Veranstaltung.
Um etwa viertel vor 7 finde ich mich in der Bar des Hauses ein. „Jos“, ein Holländer sitzt am Kamin und wärmt seine Finger.
Ein nach Landwirt ausschauender Mann haut in einer Küche, deren Abstelltische und Regale nur so überquillen vor Utensilien einige Schnitzel platt. Um Punkt 7 werden wir von ihm in einen Nebenraum geführt, in dem einige Plätze gedeckt sind. Jos scheint eine Vorliebe für schwarzen Humor
zu haben. Er beginnt aufgrund der skurrilen Situation bereits makabere Scherze zu machen. Es ist eiskalt in dem Raum. Der Wirt, der gleichzeitig Koch, Handwerker, Hausmeister und -nach seinen Stiefeln und Hosenbeinen zu Urteilen – auch Stalljunge zu sein scheint fummelt zunächst 10 Minuten an einem Heizkörper herum bis dieser läuft. Dann bekommen wir so kalten Vino Tinto serviert, das wir die volle Flasche 20 Minuten vor den glühenden Kamin stellen müssen, um überhaupt ein wenig Geschmack daran zu finden.
Der Koch, der zwischendurch einem Gast aus dem Dorf noch ein Bierchen zapft und Schnaps einschenkt serviert der Runde, die aus insgesamt 7 unerschrockenen Pilgern besteht, dann eine undefinierbare Suppe als Vorspeise, die von fast allen nur heruntergewürgt werden kann.
Jos, der mittlerweile den Job des Kellners übernommen hat legt sich beim nachschenken des lauwarmen Vino Tinto jedesmal eine Papierserviette über das Handgelenk, weil sich das so gehört.
Der kochende Stallbursche fragt uns anschließend, wer Fisch und wer Fleisch möchte.
Ich bestelle Fleisch, bekomme dennoch Fisch serviert, bin aber beim Anblick des plattgeschlagenen Koteletts in einer Spiegelei-Pommes-Mischung mit meinem panierten Schwimmer ganz zufrieden. Jos wird mit seinen Gags immer besser und er merkt an, das er schon viel herumgekommen sei, so etwas aber bisher in seinem Leben noch nicht erlebt habe.
Nachdem alle das Essen heruntergewürgt haben und die halbe Runde damit kämpfen muss, ihren Lachkrampf in den Griff zu bekommen, bereitet der Mann für alle Fälle – so haben wir ihn mittlerweile getauft – uns noch eine Nachspeise zu, die definitiv in dem kompletten Menü am besten abgeschnitten hat.
Eine tiefgekühlte „Torta de Santiago“, übergossen mit reichlich Malaga-Likör.

Na dann, Bon Appetit und gute Nacht!